Kapitel 1.1

Kapitel 1.1

Waldboden und Waldstandort

1.1 Grundlagen der Standortskunde

Als Waldbewirtschafter:in sollten sie ein fundiertes Verständnis über ihre verschiedenen Waldstandorte haben. Der Boden bildet die Grundlage für die Gesundheit und Produktivität ihres Waldes, denn er speichert und stellt Wasser und Nährstoffe bereit und sorgt für Stabilität. Wenn sie die wichtigsten Boden- und Standortseigenschaften kennen, können sie bei der Baumartenwahl die Ansprüche ihrer Bäume besser berücksichtigen und standortsangepasste Maßnahmen für die Bewirtschaftung ableiten. 

1.1.1 Was bestimmt den Waldstandort?

Abbildung 2.
Schematische Darstellung von Standortsparametern und primären Standortsfaktoren (umrandet).


Die Standortsfaktoren Wasser-, Nährstoff- und Wärmeangebot bestimmen die Wuchsbedingungen unserer Waldbäume. Diese stellen gleichermaßen Potenzial und Limitierung dar und können durch die Bewirtschaftung nur bedingt beeinflusst werden. Maßnahmen, wie beispielsweise Düngung, Kalkung, Bewässerung, etc., die in der Landwirtschaft üblich sind, werden in der Regel im Wald nicht durchgeführt. In Abhängigkeit vom Standortspotenzial sollte daher auf die Ansprüche einer Baumart geachtet werden.

1.1.2 Standortsgemäße Baumarten

Baumarten sind nach Röhrig et al. (2005) standortsgemäß, wenn sie:

  • ihr natürliches Lebensalter ohne frühzeitigen Ausfall erreichen,
  • ein den Standortsverhältnissen entsprechendes Wachstum aufweisen,
  • sich natürlich verjüngen (vermehren) lassen
  • und wenn sie den Standort nicht nachhaltig verschlechtern.

Die Auswahl standortsgemäßer Baumarten bietet eine Reihe von Vorteilen:

  • Vitale Bäume: Baumarten, die an den Standort angepasst sind, kommen mit den herrschenden Wachstumsbedingungen besser zurecht und sind daher widerstandsfähiger gegen Krankheiten, Schädlinge und Umweltstressoren wie Trockenheit oder Frost. Eine standortsgemäße Baumartenwahl unterstützt die langfristige Vitalität und Produktivität des Waldes. Sie kann dazu beitragen, die Anpassungsfähigkeit des Waldes an veränderte Umweltbedingungen zu verbessern, die Resilienz gegenüber Extremereignissen zu erhöhen und damit das Betriebsrisiko zu senken.

 

  • Natürliche Verjüngung und Artenvielfalt: Standortsgemäße Baumarten lassen sich leicht verjüngen, da sie oft mit anderen einheimischen Pflanzen und Tierarten in Wechselwirkung stehen. Dies trägt zur Erhaltung der Biodiversität bei und unterstützt das ökologische Gleichgewicht.

Zu den Standortsansprüchen der Baumarten gibt es in der Literatur viele Informationen, eine Literaturempfehlung finden sie nachfolgend (Abbildung 3). 

Abbildung 3.
Standortsansprüche, Eigenschaften und Gefährdungen einiger heimischer Baumarten.

1.1.3 Besonderheiten des Waldbodens

Ein typischer Waldboden setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen und Strukturen zusammen, die eine komplexe Umgebung für das Pflanzenwachstum bilden. Im Gelände kann man den Waldboden untersuchen, indem man eine Grube aushebt. Oft reicht aber auch eine einfache „Spatenprobe“ (erklärt im Skriptum „Bodenanalyse leicht gemacht“) oder ein Bodenbohrkern. Hanganschnitte, z. B. bei Wegeböschungen (Abbildung 4) oder Beobachtungen an Wurzeltellern von geworfenen Bäumen können weitere interessante Aufschlüsse über den Boden liefern. Der typische Aufbau eines Waldbodens wird in Abbildung 5 beschrieben.

Abbildung 4. Forststraßenanschnitt (Quelle: BioSoil Erhebung Ch. Amann)
Abbildung 5. Bodenprofil

Auflagehumus (Nährstoffrecycling):

 An der Bodenoberfläche, im sogenannten Auflagehumus, sammeln sich laufend abgestorbene Pflanzenteile wie Blätter, Nadeln und Zweige („Streu“) an, die sich im Laufe der Zeit zersetzen und organisches Material liefern. Die Umsetzung dieser organischen Substanz sorgt für eine kontinuierliche Nachlieferung von Nährstoffen im Boden und für einen weitgehend geschlossenen Nährstoffkreislauf im Wald. Der Abbau des angesammelten organischen Materials erfolgt durch Bodenlebewesen, wie z. B. Regenwürmer, Asseln, Springschwänze, aber auch Bakterien und Pilze, durch die das organische Material zunehmend auch in tiefere Bodenschichten eingearbeitet wird (Abbildung 6).

 Sogenannte Mykorrhiza-Pilze im Boden stehen in einer kooperativen Beziehung mit den Wurzeln von Bäumen und helfen ihnen, Nährstoffe und auch Wasser aus dem Boden aufzunehmen. Bäume stellen den Pilzen hingegen Kohlenhydrate zur Verfügung. Die Abbaugeschwindigkeit der Bodenstreu hängt stark von den Standortverhältnissen (Bodenfeuchte, -temperatur und -chemie (z. B. pH-Wert)) und der Bewirtschaftung ab. Nadelstreu ist wegen seiner Inhaltsstoffe schwerer abbaubar als Laubstreu, wodurch der Boden auf reinen Nadelwaldstandorten in der Regel saurer ist als auf Laub- oder Mischwaldstandorten. Ein wichtiger Anzeiger dafür ist das Kohlenstoff-/Stickstoffverhältnis (C/N Verhältnis).

Abbildung 6.. Wussten Sie, dass in einer Handvoll gesundem Waldboden mehr Lebewesen sind als Menschen auf der Erde

Die Humusform (Mull, Moder, Rohhumus (Abbildung 7); Details s. Skriptum „Bodenanalyse leicht gemacht“) liefert Informationen darüber, wie rasch das Nährstoffrecycling abläuft und ermöglicht Rückschlüsse auf die Standortsverhältnisse vor Ort: So wird bei besonders günstigen Standortsverhältnissen (z. B. warme Tieflagen mit Laubwald) die Streu oft schon innerhalb weniger  Jahre wieder vollständig abgebaut, während sich bei besonders ungünstigen Bedingungen (z. B. kühle Hochlagen mit Nadelwald) auch mächtige Humusauflagen entstehen können. 

Abbildung 7.  Humusformen. L, F und H sind Auflagehorizonte (s. Bild rechts). Der A-Horizont ist der oberste mineralische Boden, der mit Humus angereichert ist.

Der Mineralboden (Gesteinsverwitterung) 

Unter dem Auflagehumus befindet sich der Mineralboden, der durch mineralische Bestandteile unterschiedlicher Größe wie Sand, Schluff und Ton („Feinboden“) geprägt ist. Der Feinboden umfasst Bodenpartikel unter 2 mm Korngröße. Zusammen mit größeren Bestandteilen wie Grus, Kies und Steinen („Bodenskelett“) bildet er die Bodentextur. Im obersten Bereich ist der Mineralboden durch dunkelgefärbten Humus geprägt, der durch die Bodenorganismen bzw. mit dem Sickerwasser aus dem darüber liegenden Auflagehumus eingebracht wird. Je dunkler gefärbt und je tiefer dieser sogenannte humose Mineralboden reicht, desto mehr Humus ist in ihm enthalten. Dieser Humus ist besonders wertvoll, da er die Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit des Bodens erhöht, zu einer stabileren Bodenstruktur beiträgt (Beispiel Krümelstruktur/Ton-Humus-Komplexe durch Regenwürmer!) und für eine bessere Bodendurchlüftung sorgt. Nach unten hin geht der Mineralboden typischerweise in den immer weniger verwitterten Gesteinsuntergrund (geologisches Ausgangsmaterial) über. 

Eine Untersuchung des Waldbodens kann Ihnen dabei helfen, die Nährstoff-, Wasser- und Wärmeverhältnisse am Standort besser einzuschätzen und standortsgemäße Baumarten auszuwählen.

1.1.4 Vielfalt an Böden und Standorten in Österreich

1.1.4.1 Österreichs Waldböden

Die Waldböden in Österreich sind sehr vielfältig ausgeprägt, variieren stark in ihren Eigenschaften und weisen einen weitgehend ungestörten Profilaufbau auf. Vor allem das geologische Ausgangsmaterial (Abbildung 8), das Relief und das Klima in Österreich sind für die Entwicklung unterschiedlicher Bodentypen verantwortlich.

Abbildung 8.
 Geologie von Österreich – Grundlage für die Bodenbildung.

Böden mit ähnlicher Bodenbildung und ähnlichen Horizonten werden zu Bodentypen zusammengefasst (z. B. Braunerde, Podsol, Gley). Sie weisen damit einen ähnlichen Entwicklungszustand auf und sind in ständiger Entwicklung. Zur Unterscheidung von Bodenhorizonten dient u.a. die Bodenfarbe, Textur und Struktur (mehr dazu im Skriptum „Bodenanalyse leicht gemacht“). Bodentypen sind nicht scharf abgegrenzt, es kommt auch oft zur Überlappung von Bodentypen. 

Die Abbildungen 9 und 10 zeigen zwei unterschiedliche Bodentypen mit unterschiedlichen Voraussetzungen für die Baumartenwahl und Waldbewirtschaftung.

Bei der Braunerde ist zu beachten, dass die Bodeneigenschaften innerhalb dieses Bodentyps stark variieren können.  Der häufigste Vertreter im österreichischen Wald ist die Typische Braunerde:

Abbildung 9. Bodenprofil Typische Braunerde

 Merkmale: 

  • Verbraunter, verlehmter mittel- bis tiefgründiger Boden
  • ausreichender bis guter Nährstoff-, Wasser- und Lufthaushalt, ohne Extreme
  • Wurzelraum: gut durchwurzelbar für alle Baumarten 

 

 Typisches Vorkommen: weit verbreitet oft mit anderen Bodentypen vergesellschaftet seltener nur im Weinviertel und in den Kalkalpen. In den Trockengebieten unter 200 m Seehöhe fehlen sie.

Wissenswertes: Abbildung 9. Bodenprofil Typische BraunerdeVielseitiger Bodentyp mit unterschiedlichen Bodeneigenschaften. Biomassenentzug und Nadelholz-Monokulturen können auf nährstoffarmen Braunerden Versauerung (Podsolierung) auslösen oder verstärken.

Der häufigste Vertreter der wasserbeeinflussten Böden in Österreich ist der Pseudogley:

Abbildung 10. Bodenprofil Pseudogley. 

 Merkmale: 

  • bleicher, hellbrauner Oberboden 
  • marmorierter Stauhorizont (Bleich- und Rostflecken) 
  • punktförmige, dunkle Konkretionen (Eisen-/Mangan)

 

Typisches Vorkommen: Häufig auf Flysch tertiären Sedimenten Terrassen glimmerreichen Gesteinen Hausruckviertel Grazer Becken

 

Wissenswertes: Flachwurzler (wie Fichte) erhöhen das Betriebsrisiko Wasserverbrauch der Baumvegetation verringert Stauwassereinfluss. Infolge des extremen Wasserhaushalts (Wechsel zwischen Vernässung und Austrocknung) bieten diese wechselfeuchten Böden den Bäumen sehr ungünstige Wachstumsbedingungen.

1.1.4.2 Österreichs Waldstandorte

Ein Waldstandort bezeichnet den natürlichen Lebensraum, in dem ein Wald aufgrund seiner Bodenbeschaffenheit, der Geländeform, des Klimas und anderer Umweltfaktoren wächst. Er ist eng mit dem Waldboden verbunden, da der Boden die physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften des Standorts bestimmt, die das Wachstum und die Gesundheit aller Pflanzen beeinflussen. Innerhalb eines größeren geografischen Gebietes können verschiedene Waldstandorte mit unterschiedlichen Bedingungen existieren, die sich auf die Artenzusammensetzung, Struktur und das Wachstum des Waldes auswirken (Abbildung 11).

Abbildung 11. Verschiedene Standorte in einem geographischen Gebiet.

Wenn Sie mehr zu diesem Thema erfahren möchten, sehen Sie hier einen Vortrag von Dr. Ernst Leitgeb, dem Institutsleiter für Waldökologie und Boden am BFW:

Kernaussagen

Standort = Zusammenfassung von Flächen, die dem Waldwachstum annähernd gleiche Bedingungen bieten.

=> Ähnliche Reaktion der Bestände auf waldbauliche Maßnahmen an einem Standort.

=> Österreich hat sehr viele verschiedene Standorte.

=> Standortkenntnisse sind Voraussetzung für eine nachhaltige und klimafitte Waldbewirtschaftung.

Kapitel 1

Kapitel 1

Waldboden und Waldstandort

Willkommen zum ersten Kapitel unseres Onlinekurses, in dem wir uns intensiv mit dem Waldboden auseinandersetzen. Dieser spielt als zentraler Standortfaktor eine entscheidende Rolle für die nachhaltige Bewirtschaftung unserer Wälder und erfüllt eine Vielzahl an ökologischen Funktionen (Abbildung 1).

Abbildung 1.
Die wichtigsten Funktionen des Waldbodens (Erläuterungen in der BFW-Broschüre „Wertvoller Waldboden“).

Wichtig ist, dass sie den Waldstandort kennen, denn dieser steckt den waldbaulichen Spielraum einer nachhaltigen Bewirtschaftung ab und erlaubt ihnen eine ökologische Risikoabschätzung. So kann nicht nur die Vitalität (Lebenskraft) ihres Waldes gesteigert, sondern können auch die Erträge langfristig abgesichert werden. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die u.a. für die Erhaltung der Produktionskraft der Waldböden sorgen, sind im Forstgesetz 1975 in der Novelle 2013 festgelegt.


Wir empfehlen, sich für eine individuelle Beratung vor Ort an Expert:innen zu wenden Beratersuche und Kurse sowie Exkursionen an den forstlichen Ausbildungsstätten Traunkirchen und Ossiach zu besuchen.

Hier noch eine Broschüre des BFW als Ergänzung und Download:

Kapitel 1.2

Kapitel 1.2

Waldboden und Waldstandort

1.2 Boden- und standortskundliche Merkmale im Gelände erkennen und deuten

Der Waldboden als zentraler Standortsfaktor spielt eine wichtige Rolle für das ökologische Gleichgewicht. Bodeneigenschaften, wie Gründigkeit, Bodenart/Textur, Struktur und Humusgehalt sind entscheidend für den Nährstoff- und Wasserhaushalt von Böden und damit für das Wachstum und die Gesundheit des Waldes.

Da verschiedene Baumarten unterschiedliche Ansprüche an die Nährstoff-, Wasser- und Wärmeversorgung haben, sind die Eigenschaften des Waldbodens, neben dem klimatischen Verhältnissen daher entscheidend, ob ein Standort für eine Baumart geeignet ist und welche Massen- und Wertleistung der Bäume zu erwarten sind. Tabelle 1 verdeutlicht die Ansprüche einiger Laubbaumarten:

Tabelle 1. Bodenansprüche von Edellaubhölzern

Die Basensättigung ist neben dem pH-Wert eine zentrale bodenchemische Eigenschaft, da sie nicht nur die Verfügbarkeit von Makronährstoffen wie Calcium und Magnesium beschreibt, sondern auch mit der Verfügbarkeit anderer Mikronährstoffe zusammenhängt. Daher wird zur Beschreibung der Nährstoffausstattung eines Standorts häufig die Basensättigung herangezogen. Der pH-Wert beschreibt hingegen den Säuregrad eines Bodens und beeinflusst die Pflanzenverfügbarkeit von Nährstoffen. Die Löslichkeit und Verfügbarkeit von Nährstoffen kann durch zu hohe (pH > 6.2) und zu geringe (pH < 5) pH-Werte limitiert werden. Daher gilt ein pH-Wert im schwach sauren Bereich zwischen 5 bis 6.2 als optimal. Nährstoffsensible Baumarten wie beispielsweise der Bergahorn oder die Schwarznuss weisen starke Wachstumseinschränkungen auf Böden mit geringen Basensättigungen und niedrigen pH-Werten auf. Nährstofftolerante Baumarten (bspw. Stieleiche) haben damit aber keinerlei Problem. Das Bodenskelett (Grobgestein) ist relevant für die Wasserverfügbarkeit, je höher der Skelettgehalt, desto geringer ist die Wasserspeicherfähigkeit. 

Im Nachfolgenden erhalten Sie eine Anleitung, um wesentliche boden- und standortskundliche Eigenschaften zu erkennen und Rückschlüsse auf die Nährstoffversorgung, Wasserverfügbarkeit und Wärmebedingungen ihres Waldes ziehen zu können.

1.2.1 Großklima

Österreich liegt zum Großteil im Bereich der gemäßigt feuchten Klimazone mit einer ausgeprägten kalten Jahreszeit. Im Hochgebirge treten extreme Gebirgsklimata auf; im äußersten Osten unseres Landes gibt es ein gemäßigt trockenes Klima. 

Eine große Herausforderung für die Waldbewirtschaftung stellt der Klimawandel dar. Dieser zeigt sich in einer Steigerung der Durchschnittstemperaturen und einer Verschiebung der Niederschlagsverhältnisse. Um dem Klimawandel erfolgreich begegnen zu können, ist es wichtig, standortsangepasste Baumarten in einer geeigneten Baumartenmischung zu verwenden

Wichtig: Großraumklima ist keine unveränderliche Größe („stabiler Standortsfaktor“) mehr!

1.2.2 Höhenstufen


Höhenstufen stellen in vertikaler Richtung aufeinanderfolgende Klima- und Vegetationsgürtel dar. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Charakterisierung von Wäldern. Die klimatischen Bedingungen, insbesondere Temperatur und Niederschlag, ändern sich mit der Höhe, was wiederum Auswirkungen auf die Vegetation hat. Mit zunehmender Seehöhe nimmt die Lufttemperatur ab (etwa 0,5 °C pro 100 m), sodass diese für wärmebedürftige Baumarten eine wichtige Begrenzung darstellt. Gebirge stellen hingegen natürliche Staulagen dar. Feuchte Luftmassen steigen auf und kühlen ab. Der in der Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert zu Wolken, die sich in Gebirgslagen abregnen. Innerhalb der natürlichen Waldgesellschaften lassen sich deutliche seehöhenabhängige Waldvegetationszonen feststellen (Abbildung 12). In Folge des Klimawandels werden sich jedoch Verschiebungen der Waldgesellschaften in höhere Lagen ergeben (Abbildung 13).

Abbildung 12. Schematische Darstellung der klimabedingten Waldvegetationszonen im Alpenraum.

Abbildung 13. Schematische Darstellung der Verschiebung der Waldvegetationszonen in Folge des Klimawandels.



Innerhalb der einzelnen Wuchsgebiete können die wichtigsten natürlichen Waldgesellschaften für die jeweiligen Höhenstufen und Standorte angegeben werden. Dies ist unter anderem für die Baumartenwahl von Bedeutung. Kennt man die natürliche Waldgesellschaft, kann man leichter die Eignung von Vermehrungsgut innerhalb der gleichen Gesellschaft oder aus den benachbarten Gesellschaften einschätzen.

1.2.3 Hanglage und Hangneigung

Abbildung 14. Einfluss von Hangneigung und Hangrichtung („Zeitgemäße Waldwirtschaft“, Krondorfer et al. 2022)

Die Lage eines Waldstandortes am Hang, die Geländeausformung sowie die Himmelsrichtung wirken sich entscheidend auf die Standorteigenschaften aus.

  • Im geneigten Gelände befinden sich im Allgemeinen die tiefgründigeren und frischeren Standorte am Unterhang und die flachgründigeren, trockeneren am Oberhang. Oft ist auch eine Nährstoffverlagerung vom Oberhang zum Unterhang zu beobachten, die oft durch die Bodenvegetation angezeigt wird.
  • Je steiler ein Hang ist, desto geringer ist die Frostgefahr, da kalte Luft abfließt (Abbildung 14). Steilheit und flachgründige Böden sorgen für eine erhöhte Erosionsgefahr. Auf diesen extremen Standorten stocken oft Standortschutzwälder, die mit besonderer Vorsicht zu bewirtschaften sind. 
  • In Mulden kann die Kaltluft zusammenfließen und Kälteseen mit hoher Frostgefahr bilden. In der kalten Jahreszeit kann sich dadurch eine Inversionswetterlage bilden (obere Luftschichten sind wärmer als untere Luftschichten). 
  • Kuppen sind meist dem Wind ausgesetzt und daher trockener als Mulden und Gräben, außerdem wird die Streu abgeweht. 
  • Südhänge sind durch starke Sonneneinstrahlung warm und trocken. Wenn die Beschattung durch den Waldbestand fehlt, neigen die Standorte zur Austrocknung. Durch starke Sonneneinstrahlung entsteht Thermik (Wind). Im Spätsommer und Spätwinter können große Temperaturextreme durch Sonneneinstrahlung zu Wachstumsstress (Trockenstress) für Pflanzen führen. 
  • Nordhänge weisen meist hohe Bodenfrische und Luftfeuchtigkeit auf, was sich auf das Baumwachstum günstig auswirkt. Andererseits ist die Gefährdung durch Schnee und Frost größer, 
  • West- und Osthänge weisen eine Zwischenstellung auf.

1.2.4 Bestandesklima

Das Großklima wird kleinflächig durch die Lage, aber auch durch die Waldbewirtschaftung beeinflusst. Jeder Waldbestand bildet ein spezifisches Standortsklima aus. Durch die Beschattung ist es im Wald kühler als im Freiland. Es herrscht mehr Luftruhe und durch die Verdunstung eine höhere Luftfeuchtigkeit. Das Bestandesklima ist ausgeglichener als das Freilandklima. Es hängt von der Baumartenmischung, dem Bestandesalter, dem Bestandesaufbau und der Waldpflege ab. 

Durch richtige Waldbewirtschaftung muss versucht werden, das Bestandesklima so zu erhalten, dass optimale Wuchsbedingungen gegeben sind. So gelangen z. B. infolge von Durchforstungen Licht, Wärme und Niederschläge auf den Boden, wodurch die Aktivität der Bodenorganismen steigt. Die ökologischen Auswirkungen von Durchforstungen finden sich bei Leitgeb und Englisch (2014) (zu finden im Kurs-Teil „Durchforstung“).  Durch die Erhaltung eines geschlossenen Bestandesrandes wird Austrocknung des Bodens durch Wind und Sonneneinstrahlung verhindert und Randbäume (vor allem Buchen) geschützt. 

1.2.5 Potenziell natürliche Waldgesellschaften


Österreich ist in neun Wuchsgebiete unterteilt, die auf bestimmte klimatische und geografische Bedingungen hinweisen. Die Kenntnis der Standorte und ihrer potenziell natürlichen Waldgesellschaften sowie ihre räumliche Verteilung ist eine Grundvoraussetzung für jede ökologisch orientierte Waldbewirtschaftung. Der Begriff „potenziell natürliche Waldgesellschaft“ bezieht sich auf die Waldökosysteme, die sich ohne menschliche Eingriffe in einem bestimmten geografischen Gebiet entwickeln würden. Man kann diese erst ableiten, wenn alle für einen Standort relevanten Eigenschaften (Wasser, Nährstoff, Wärme) bestimmt wurden. Eine Orientierung an den Wuchsgebieten (Abbildung 15) und ihren Beschreibungen zu Lage, Klima, Geologie, Böden und natürlichen Waldgesellschaften kann jedoch bei der Klassifizierung der Standorte behilflich sein. Die potenziell natürlichen Waldgesellschaften in Österreich sind eng mit diesen Wuchsgebieten verbunden und variieren je nach Höhenlage, Klima und Bodenbeschaffenheit. So kommt zum Beispiel der hochalpine Lärchen-Zirben-Wald in alpinen Regionen vor und ist an die extremen Bedingungen angepasst. Andere Beispiele sind die Fichtenwälder in den subalpinen Gebieten, Buchenwälder in den montanen Regionen und Eichen-Kiefern-Wälder in den pannonischen Gebieten.

Abbildung 15. Die neun österreichischen Hauptwuchsgebiete

Wenn Sie mehr über das Wuchsgebiet, in dem sich Ihr Waldgrundstück befindet, erfahren möchten, dann klicken Sie hier. Für Gis-Software-Anwender gibt es einen Downloadbereich. Eine übersichtliche Beschreibung aller Wuchsgebiete und eine Karte zum Downloaden finden sie hier


Wenn sie als Waldbewirtschafter:in die wichtigsten Boden- und Standortseigenschaften kennen, können sie bei der Baumartenwahl die Ansprüche ihrer Bäume besser berücksichtigen und standortsangepasste Maßnahmen für die Bewirtschaftung ableiten. Bodenexperte Ernst Leitgeb vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) zeigt, wie man die Bodeneigenschaften bestimmen kann.

1.2.6 Zeigerpflanzen

Eine Zeigerpflanze weist durch ihr Vorkommen auf bestimmte Boden- oder Klimaverhältnisse hin. Analog zu Bäumen hat auch die Bodenvegetation spezifische Ansprüche an den Standort. Anhand der Arten, die an einem Standort gemeinsam vorkommen, können daher Rückschlüsse zu Pflanzengesellschaften und damit zur potenziell natürlichen Waldgesellschaft gezogen werden. Es ist daher ratsam, sich mit einigen typischen Zeigerpflanzen vertraut zu machen, um einen ersten Eindruck über den Nährstoff-, Wasser- und Wärmehaushalt eines Waldstandortes zu bekommen.

Abbildung 16. Waldmeister, eine Zeigerpflanze für gute Nährstoff- und Wasserversorgung, entwickelt beim Welken einen typischen Cumarin-Geruch (Quelle: Pixabay/Hans)

Abbildung 17. Leberblümchen weist auf Karbonat im Boden hin, blüht im Frühling als eine der Ersten (Quelle: Pixabay/Manfred Antranias Zimmer)

Abbildung 18. Sumpfdotterblume, kennzeichnend für nasse Schwarzerlen-Standorte (Quelle: BFW/Schaufler)


So gibt es zahlreiche Zeigerpflanzen, die auf eine gute Nährstoffversorgung des Standorts hinweisen, wie z. B. Efeu (Hedera helix), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Goldnessel (Galeobdolon luteum), Kriech-Günsel (Ajuga reptans), Einbeere (Paris quadrifolia), oder Waldmeister (Galium odoratum). Eine schlechte Nährstoffversorgung bzw. Bodenversauerung kann hingegen z. B. ein hohes Vorkommen von Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Drahtschmiele (Avenella flexuosa), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) oder Besenheide (Calluna vulgaris) anzeigen.

Kapitel 1.3

Kapitel 1.3

Waldboden und Waldstandort

1.3 Bedeutung der Standorte für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung

1.3.1 Waldstandorte im Klimawandel

Bisher galt in der Standortskunde die Sichtweise, dass die Wärme-, Wasser- und Nährstoffhaushalte eines Standortes innerhalb einer Umtriebszeit von 100 bis 150 Jahren unverändert bleiben. Durch die schnellen klimatischen Änderungen muss man diese Sichtweise aber überdenken. Die sich rasch ändernden Standortsbedingungen können dazu führen, dass aktuell vorhandene, standortsgerechte Baumarten an einem Standort in naher Zukunft nicht mehr standortsangepasst sind.

Durch den Klimawandel ist es notwendig, die Baumarten anhand der voraussichtlichen Veränderung des Standorts in den kommenden 100 Jahren auszuwählen = dynamische Standortskartierung („dynamische Waldtypisierung“). Mehr dazu im Kapitel „Waldbau“.

Gleich bleibt (trotz Klimawandel): 

  • Relief und Geologie
  • Bodentypen, Bodenbildungsprozesse
  • Bodenarten (Korngrößenspektrum)

Veränderungen wahrscheinlich bei:

  • Großraumklima
  • Bodenkohlenstoff, Humus
  • Wasserhaushalt
  • Nährstoffhaushalt: Nachlieferung (Modellierungen!)


 Die klassische Standortskartierung wird durch die dynamische Waldtypisierung ersetzt, die veränderliche Standortzustände berücksichtigt und eine praxisnahe Beschreibung und Kartierung der Waldtypen unter aktuellem und zukünftigem Klima ermöglicht.

1.3.2 Entscheidungsgrundlagen für die Waldbewirtschaftung

1.3.2.1 Baumartenwahl – Beispiel Anbaurisiko der Fichte

Abbildung 19. Flachwurzelteller der Fichte konnte Wind nicht standhalten. (BFW Anna-Maria Walli)

Das Anbaurisiko der Fichte hängt stark von Lufttemperatur und Niederschlag ab. Je nach den Witterungsverhältnissen kommt es auf solchen Böden zu Trockenstress (wechseltrockene Böden) und/oder zu einer hohen Instabilität der Bestände bei Vernässung. Gerade Trockenstress macht Fichte deutlich anfälliger gegenüber Borkenkäferbefall. Gleichzeitig fördert warmes eher trockenes Klima die Entwicklung von Borkenkäfern. Damit steigt das Anbaurisiko für Fichte auf solchen Flächen deutlich (Abbildung 19). Auf schweren Böden bei vergleichsweise besserer Wasserversorgung welche die Fichte zur Ausbildung eines flachen Wurzelsystems zwingen kann ein gutes Wachstum in jungen Jahren über spätere Stabilitätsprobleme (Windwurf) hinwegtäuschen.

Abbildung 20 zeigt das Anbaurisiko der Fichte unter einem jährlichen Niederschlag in Kombination mit der jährlichen Temperatur am gegebenen Standort (Temperatursumme: Summe der 14 Uhr-Temperaturen der Tage mit tägl. Temperaturminimum > 5°C und Tagesmaximum >15° C). So ist z. B. bei einem jährlichen Niederschlag von 600 mm und einer jährlichen Temperatursumme von 3050 °C das Anbaurisiko sehr hoch. Das ist u.a. der Fall in Tallagen im Osten Österreichs. Wo ein jährlicher Niederschlag von 900 mm oder mehr und einer Temperatursumme von weniger als 2600 °C vorliegen wie z. B. in den östlichen Zwischenalpen in höheren Lagen ist das Anbaurisiko geringer. In Hinblick auf den Klimawandel werden sich Risiken an bereits ungünstigen Standorten noch verschärfen und auch Lagen mit bisher geringem Risiko können zunehmend risikobehafteter werden. Es gilt also Risiken zu vermeiden wo es geht. Dort wo Laubbaumarten natürlich vorkommen sollten diese auch einem bereits vorhandenen Fichtenbestand beigemischt werden um die Risiken zu reduzieren.

Abbildung 20. Anbaurisiko der Fichte je nach jährlichem Niederschlag und Temperatursumme


Die Beimischung von Buche kann in Fichtenbeständen viel zur Ankurbelung des Nährstoffkreislaufes (vor allem Kalzium) beitragen, sie schließt tiefere Bodenbereiche gut auf. Voraussetzung ist allerdings, dass im Unterboden genügend Nährstoffe vorhanden sind (Jost et al. 2004). Auf Böden mit schwerer Bodenart können vor allem Eiche und in höheren Lagen Tanne mit entsprechenden Baumartenanteilen zur Bestandesstabilität beitragen. Auf schweren, tonreichen Böden (Pseudogleyen, s. Bodentypen) sollte auf die Fichte überhaupt verzichtet werden, denn sie führen zu einer ausgeprägten Flachwurzeligkeit und zu hoher Instabilität. In trockenen Regionen (< 800 mm Niederschlag) bringt eine Beimischung der Buche keine Vorteile für die Wasserversorgung der Fichte. Die Konkurrenz um das Wasser kann sogar zu einem Nachteil für die Fichte führen und ihr Trockenstressrisiko erhöhen. Bei geringen Niederschlägen zusammen mit hohen Temperaturen sollte man den Anbau der Fichte generell überdenken. Auch in Hinblick auf mögliche Klimaänderungsszenarien wäre man damit auf der „sicheren Seite“.

Zum Nachlesen:

 

Weitere Informationen zum Thema Bodenschutz finden Sie hier:

Kernaussagen

Österreich hat eine Vielzahl an Waldstandorten (Geologie, Relief), die es bei der Bewirtschaftung zu beachten gilt.

Die Standortkunde lotet die naturräumlichen Voraussetzungen ab und gibt ökologische Empfehlungen bzw. eine Risikoabschätzung für die Waldbewirtschaftung; sie hat aber keinen verpflichtenden Charakter (vgl. ForstG)

Standortskundliches Basiswissen im Gelände ist unentbehrlich für eine nachhaltige, klimafitte Waldwirtschaft

Standorts- und bodenkundliche Befunde sind einfach und rasch im Gelände zu erfassen

Auf dieser Basis können neu entwickelte standortskundliche Tools (dynamische Waldtypisierung) wertvolle Entscheidungshilfen für die Waldwirtschaft im Klimawandel geben

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