Kapitel 6

Kapitel 6

Biodiversität

Was ist Biodiversität im Wald?

Von „Biodiversität“ dürfte inzwischen jeder schon einmal gehört haben. Anfangs wurde darunter nur die Anzahl von Arten (Artenvielfalt) verstanden, heute spricht man zusätzlich von der genetischen Vielfalt und Lebensräumen.

Der Begriff „Biodiversität“ hat sich durchgesetzt, unter anderem deshalb, weil gestörte Ökosysteme einen Mangel an Vielfalt aufweisen. Gestörte Ökosysteme im Wald wurden durch menschliche Aktivitäten (Klimawandel, Setzen von standortsfremden Baumarten, Übernutzung, etc.) oder natürliche Ereignisse (Sturm, Schädlinge, etc.) stark beeinträchtigt und haben dadurch ihre natürliche Balance und Funktionalität verloren. Vergleicht man Wirtschaftswälder mit unbewirtschafteten Wäldern, dann kann man beobachten, dass durch die Beeinflussung der Baumartenwahl und die „aufgeräumten“ Baumreihen weniger Lebensräume für diverse Arten zur Verfügung stehen. „Die biologische Vielfalt der Wälder ist das Ergebnis von Evolutionsprozessen, die sich über Tausende und sogar Millionen von Jahren vollzogen haben und die ihrerseits von ökologischen Faktoren wie Klima, Feuer, Wettbewerb und Störungen beeinflusst werden. Darüber hinaus führt die Vielfalt der Waldökosysteme zu einem hohen Maß an Anpassungsfähigkeit. 

Höhere Biodiversität heißt aber nicht automatisch, dass ein Ökosystem „besser“ ist als eines mit geringerer Biodiversität. Ein alter Buchenwald beispielsweise hat möglicherweise eine geringere Artenvielfalt als ein junger Mischbestand, dennoch ist ein alter Wald ökologisch äußerst wertvoll, da er oft eine Vielzahl von spezialisierten Lebensräumen und Nischen bietet, die von verschiedenen Organismen genutzt werden können. In einem solchen Wald können sich seltene oder bedrohte Arten ansiedeln, die auf bestimmte Umweltbedingungen angewiesen sind, die nur in einem solch reifen Ökosystem vorhanden sind.

Früher wurden viele einheimische Wälder durch einheitliche Nadelbaumplantagen (Fichten-Monokulturen) ersetzt, was zu großem Verlust an Lebensraum führte. Doch heutzutage geschieht das in den meisten Teilen Europas nicht mehr, im Gegenteil: Es gibt einen Trend zur Wiederherstellung und Umwandlung dieser Plantagen in vielfältigere Wälder und natürliche Lebensräume. Dieser Prozess wird durch die zunehmenden Schäden durch Dürre in diesen Plantagen beschleunigt.

Es gibt also Möglichkeiten, die Biodiversität in Wäldern zu schützen und zu fördern. Viele Waldbesitzer:innen bemühen sich, die Vielfalt der Wälder zu erhalten, weil natürliche Wälder nicht nur widerstandsfähiger gegenüber Störungen sind, sondern sich auch schneller erholen können.

Kapitel 6.2

Kapitel 6.2

Biodiversität

6.2 Wie steht es um die Biodiversität meines Waldes?

Die wirksamste Erhaltung der Biodiversität im Wald erfordert ein umfassendes Management, das auf nachhaltige Forstwirtschaft, Schutzgebiete, die Reduzierung von Umweltverschmutzung, die Eindämmung des Klimawandels und die Bekämpfung invasiver Arten abzielt

Im Rahmen des Projektes „Biodiversitätsmonitoring mit Waldbewirtschafter:innen“  schauen über 800 Waldbewirtschafter:innen österreichweit bewusst auf die Vielfalt in unseren Wäldern. Sie beobachten ausgewählte Lebensräume, Tiere, Pflanzen und Pilze und stellen Zusammenhänge zwischen der Artenvielfalt und unserer Bewirtschaftung her. Das Projektteam (ÖKL, BFW, LWK, Umweltbüro, Biosa, Lacon, ) bietet waldökologische Betriebsgespräche an und hilft anderen interessierten Waldbewirtschafter:innen dabei, die Vielfalt in den eigenen Wäldern bewusst neu zu erleben und ihren Wert zu erfassen. Das Projekt wird aus Mitteln der Europäischen Union, Bund und den Ländern im Rahmen der Ländlichen Entwicklung finanziert (www.biodiversitaetsmonitoring.at/waelder).

Video: Zusammenschnitt 

6.2.1 Biodiversitätsindikatoren

Unter Biodiversitätsindikatoren versteht man sowohl Artengruppen als auch Strukturelemente (s. Abbildung 1). Zu den Artenindikatoren zählen Gliederfüßler (insbesondere Insekten), Vogelarten, Pilze, Säugetiere (insbesondere Fledermäuse), Amphibien, Reptilien, sowie Gefäßpflanzenarten. Indikatoren der Strukturelemente der Biodiversität beziehen sich auf geschützte Habitate (Lebensräume), Baummikrohabiate, Sonderstandorte (z.B. Blocksteinhaufen, nicht-wasserführende Wildbäche etc.) und Totholz. Diese werden zu unterschiedlichen Graden von verschiedenen Bewirtschaftungsmaßnahmen beeinflusst und können dadurch gezielt gefördert werden. Um die Auswirkungen der Bewirtschaftungsmaßnahmen zu beurteilen, hat das BFW Beobachtungsschwerpunkte (Indikatoren) eines Waldmonitorings definiert, die zur Abschätzung der Wirkung der Waldbewirtschaftung verwendet werden können.

Abbildung 1. Biodiversitätsindikatoren

6.2.2 Managementindikatoren

Man kann anhand von bestimmten Messgrößen im Management feststellen, wie verfügbar und in welcher Qualität die Lebensräume für die verschiedenen Arten sind, die man untersuchen möchte. Aber um herauszufinden, wie sich diese Arten tatsächlich entwickeln, muss man sie direkt untersuchen, und das erfordert Spezialist:innen. Die Messgrößen im Management hingegen können in der Regel von Forstfachleuten im Rahmen eines Waldbestands-Monitorings erhoben werden. Viele der Daten, die im Waldbestands-Monitoring gesammelt werden, betreffen die Struktur der Bestände und wie intensiv sie bewirtschaftet werden. Diese Daten können gleichzeitig als Hinweise dafür dienen, wie man Maßnahmen zur Förderung und Erhaltung der Artenvielfalt im Wald umsetzen kann.

Managementindikatoren dienen der Beurteilung des Vorkommens und der Qualität potenzieller Lebensräume und werden in 7 Gruppen zusammengefasst (s. Abbildung 2):

Abbildung 2. Managementindikatoren

Verjüngung ist ein wichtiger Indikator, da es grundsätzlich für einen gesunden Wald spricht, wenn er sich ohne menschlichen Einfluss vermehrt. Ob dadurch die Biodiversität steigt, hängt aber unter anderem von der Baumartenzusammensetzung ab. Womöglich kann sich nur eine Art durchsetzen oder die anderen wurden vom Wild verbissen. Einheimische Baumarten bieten bessere Voraussetzungen als nicht-heimische Baumarten, denn andere Lebewesen konnten sich bereits auf diese spezialisieren und sind von ihnen abhängig, während nicht-heimische Baumarten möglicherweise weniger in Beziehung stehen mit dem Ökosystem. Wenn der Anteil nicht-heimischer Baumarten im Bestand zu hoch ist, kann das darauf hindeuten, dass diese Arten einheimische Arten verdrängen. 

Totholz und verschiedene Habitate kann der Wald praktisch nie genug haben. Sie bieten unzählige Möglichkeiten für Insekten, Pilze, Vögel, etc. um sich zu etablieren. Kronen- und Bestandesstruktur sorgen ebenfalls für Vielfalt, denn verschieden hohe Baum- und Strauchschichten, dichte dunkle, sowie offene und helle Stellen im Bestand, sowie verschiedene Altersklassen bringen Abwechslung und können mehr Pflanz- und Tierarten beherbergen als z. B. ein einschichtiger, dichter Bestand, der nur schattenliebenden Arten Möglichkeiten bietet. 

Die Bewirtschaftungsintensität hat logischerweise auch großen Einfluss auf das Geschehen, denn je öfter und stärker der Mensch eingreift und je mehr Forststraßen sich durch den Wald ziehen, desto gestörter und beeinflusster ist die Natur und wird geschädigt. Jede Bewirtschaftungsmaßnahme sollte daher bedacht gewählt und möglichst schonend für den Wald durchgeführt werden (wie in vorherigen Kapiteln bereits thematisiert wurde). Es gibt Bestände, die schon so gestört sind, dass sie ohne weitere Eingriffe nicht mehr in einen naturnahen Zustand zurückkehren können. Diese müssen durch gezielte Maßnahmen wie Aufforstungen und Wildtiermanagement unterstützt werden. 

6.2.3 Invasive Arten

„Invasive gebietsfremde Arten“ sind gebietsfremde Arten, deren Einbringung oder Ausbreitung die Biodiversität und die damit verbundenen Dienstleistungen der Ökosysteme (zum Beispiel Schutz vor Naturgefahren, sauberes Wasser) gefährden oder nachteilig beeinflussen.  Solche Beeinträchtigungen sind zum Beispiel die Verdrängung heimischer Arten bis hin zu deren Aussterben, die Übertragung von Krankheiten, Beeinträchtigung der Lebensräume, usw. Die Schäden, die durch invasive gebietsfremde Arten in Europa verursacht werden, werden in einer EU-Studie mit 12 Milliarden Euro pro Jahr beziffert“ (BMK, o.J.). 

Klassische Beispiele, die auch starke Forstschutzrelevanz haben, sind der Borkenkäfer und der Eschen-Pilz (die schon im Kapitel Forstschutz vorgestellt wurden).  Relevante Beispiele aus dem Pflanzenreich sind z. B. der Riesenbärenklau und das Drüsige Springkraut. Beide Arten vermehren sich schnell und bilden dichte Bestände entlang von Flussufern und feuchten Waldgebieten.  Sie konkurrieren mit einheimischen Pflanzen um Licht, Wasser und Nährstoffe, was zur Verdrängung der heimischen Vegetation führen kann und auch den Boden stark beeinfluss.

Kapitel 6.1

Kapitel 6.1

Biodiversität

6.1 Was sind Schlüsselfaktoren, die Biodiversität im Wald beeinflussen?

Man unterscheidet zwischen äußeren und inneren (forstwirtschaftlichen) Einflüssen. 

Äußere Einflüsse: 

  1. Der Klimawandel bedroht die Biodiversität der Wälder, indem er direkte Auswirkungen auf Arten und ihre Lebensräume hat. Er begünstigt bestimmte Arten, während andere an Häufigkeit verlieren oder sogar lokal aussterben können, und führt zu Veränderungen in der Zusammensetzung und den Funktionen von Gemeinschaften, was zu unvorhersehbaren neuen Interaktionen zwischen Arten führt.
  2. Fragmentierung der Lebensräume: Die Fragmentierung von Waldgebieten durch Infrastrukturprojekte wie Straßen, Siedlungen und landwirtschaftliche Flächen kann die Biodiversität im Wald erheblich gefährden, da sie die Wanderung und den Austausch von Arten zwischen verschiedenen Waldgebieten behindert. Dies führt zur Isolation von Populationen einer Art und erhöht letztendlich das Risiko des Aussterbens.
  3. Umweltverschmutzung: Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung durch industrielle Aktivitäten, landwirtschaftliche Praktiken und den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden beeinträchtigen bereits die Gesundheit von Waldökosystemen und führen zur Dezimierung von Pflanzen- und Tierarten. Die Überdüngung von Waldböden durch Stickstoffeintrag aus der Luft kann dazu führen, dass bestimmte Pflanzenarten wie Flechten und Pflanzen, die im Unterholz wachsen, verloren gehen. Das hat zur Folge, dass auch andere Tierarten, die von diesen Pflanzen abhängig sind, wie z. B. spezielle Insekten, ihren Lebensraum verlieren. Darüber hinaus führt die Versauerung des Waldbodens durch Luftverschmutzung dazu, dass ganze Nahrungsnetze im Wald gestört werden, was beispielsweise dazu führen kann, dass weniger Schnecken vorhanden sind, was wiederum die Fortpflanzung von Vögeln beeinträchtigen kann.
  4. Wildschäden: Durch den Verbiss von seltenen Baumarten und Mischbaumarten geraten Lebewesen, die von diesen Arten abhängig sind, in Bedrängnis. Außerdem wird die Anpassung an den Klimawandel erschwert (s. Kapitel 3 „Wildschäden“)
  5. Biologische Invasionen (eindringende Arten) stellen weltweit eine Hauptbedrohung für die Biodiversität in Wäldern dar, indem sie Schäden durch Parasitismus, Konkurrenz, Umweltveränderungen und Krankheitsübertragung verursachen. Die Globalisierung von Handel und Reisen trägt zur Verbreitung nicht-einheimischer Arten bei. Besonders problematisch sind invasive Schädlinge und Krankheitserreger wie die Verursacher der Holländischen Ulmenwelke oder des Eschentriebsterbens, da sie Aussterbekaskaden für von ihnen abhängige Arten auslösen können.

Innere Einflüsse:

  1. Die Art und Weise, wie Wälder bewirtschaftet werden, beeinflusst ihre Struktur und Vielfalt stark, zum Beispiel durch die Größe der Baumkronenlücken, die Menge an abgestorbenem Holz im Wald und die Auswahl der Baumarten. Besonders problematisch ist eine intensive Nutzung und Vereinheitlichung der Waldstruktur und -zusammensetzung, ähnlich wie in der Landwirtschaft. Ein Beispiel dafür ist der Rückgang einiger Arten, die viel Licht benötigen und früher in traditionellen Waldwirtschaftssystemen wie dem Niederwald häufig waren, nach der Umstellung auf Hochwälder.
  2. Abholzung und Waldrodung: Global betrachtet, nimmt die Abholzung von Wäldern für landwirtschaftliche Flächen (besonders für globale Futtermittelproduktion), Siedlungsgebiete, Bergbau und Holzwirtschaft zu und trägt erheblich zur Verringerung des Waldbestands und zur Zerstörung von Lebensräumen bei. In Österreich vergrößert sich die Waldfläche aber durch die langjährige Tradition der nachhaltigen Forstwirtschaft tendenziell. Dennoch kann es in bestimmten Regionen aufgrund von Faktoren wie Schädlingsbefall, Stürmen und anderen Naturkatastrophen vorübergehend zu Rückgängen des Waldbestandes kommen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, setzt Österreich weiterhin auf nachhaltige Waldbewirtschaftung und den Schutz seiner wertvollen Waldressourcen. 
  3. Der Verlust von Urwäldern, die einzigartige Strukturen mit einer Vielzahl von begleitenden Arten beherbergen, ist ein bedauerlicher Prozess, der in einigen osteuropäischen Ländern und Teilen Nordeuropas fortgesetzt wird. In der Mehrheit Europas werden jedoch die Waldbestände reifer, was Chancen bietet, alte Wachstumslebensräume aktiv wiederherzustellen.
  4. Der zunehmende Holzvorrat in europäischen Wäldern führt nicht automatisch zu einer höheren Biodiversität, da einige Arten von älteren Wäldern profitieren, während andere benachteiligt werden. Ein universeller Schutz der Wälder ist daher nicht ausreichend, und es ist ein differenzierterer Ansatz zur Erhaltung der Biodiversität erforderlich, insbesondere bei der Förderung von Dauerwaldwirtschaft, da diese zu dichteren Wäldern führt, was wiederum zu potenziellen negativen Auswirkungen auf abhängige Arten führen kann.

Kapitel 6.3

Kapitel 6.3

Biodiversität

6.3 Wie schaffe ich es mit recht einfachen Mitteln die Biodiversität in meinem Wald zu erhöhen?

Als Waldbesitzer:in sollte man sich bewusst sein, dass jede Veränderung, die am Wald vorgenommen wird, sich in irgendeiner Art und Weise (ob vorteilhaft oder nachteilig) auf die Biodiversität des Waldes auswirken wird. Den Wald einfach „in Ruhe zu lassen“ wäre zwar bequem, ist allerdings auch nicht die beste Lösung. Durch den Klimawandel und ohne fachgerechte Pflege verlieren Einzelbäume an Vitalität und Stabilität und damit auch der gesamte Bestand. Dadurch sind die Bäume anfälliger gegenüber Schädlingen und Naturkatastrophen. Die Biodiversität in der Bodenvegetation und der Bodenfauna würde sinken, wodurch sich die Nährstoffumsetzung und Humusbildung im Boden verringern würde. 

Entscheidend ist es also, gut durchdachte Handlungen zu setzen, die die Waldgesundheit langfristig am besten fördern können. 
Natürlich sind Sie nicht auf sich allein gestellt. Das ÖKL bietet waldökologische Betriebsgespräche an, Informationen dazu finden unter www.biodiversitaetsmonitoring.at/waelder.

6.3.1 Bei der Baumartenwahl neben den wirtschaftlichen auch unbedingt ökologische Aspekte berücksichtigen

  • Förderung der Baumartenvielfalt durch Belassen von seltenen Arten wie Feldahorn, Speierling, Mehlbeere, Eibe www.herkunftsberatung.at
  • Eschen, sofern standorttaugliche Herkünfte verfügbar sind, eine Chance geben (siehe Video unten)

Die Esche sollte unbedingt erhalten bleiben. Ihre breite physiologische Anpassungsfähigkeit ermöglicht es ihr, in verschiedenen Bodentypen und Höhenlagen zu gedeihen. Die Einmischung von Eschen in Mischbestände fördert die Stabilität der Wälder und sichert die wirtschaftliche Basis der Forstbetriebe. Ihr Fortbestand ist auch für das Überleben von Arten wie dem seltenen Eschen-Scheckenfalter von entscheidender Bedeutung. Lebensraumtypen, die von der Esche abhängen, sind bereits als gefährdet oder schützenswert eingestuft.

Das BFW forscht in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur Wien an der Resistenzzüchtung von Eschen in ganz Österreich – mehr dazu erfahren Sie im Projekt „Esche in Not“

Abbildung 3. Glückliche Eschen (Quelle BFW/Anna Walli)
Abbildung 4. Probenentnahme bei Eschenjungpflanzen (Quelle BFW/ Clemens Schmiedbauer)

  • Vorsicht bei Hybrid-Baumarten. Hybride sind Kreuzungen von verwandten Arten. In Österreich gibt es v.a. die Hybrid-Pappel (P. x canadensis) (Mischling aus der heimischen Schwarzpappel (Populus nigra) und einer Kanadischen (Populus deltoides)) und die Hybrid-Lärche (Larix x eurolepis) (eine Kreuzung zwischen unserer einheimischen Europäischen Lärche (Larix decidua)) und der japanischen Lärche (Larix kaempferi). Wirtschaftlich bringen sie zwar Vorteile durch ihre Raschwüchsigkeit und Resistenz gegen Krankheitserreger, aber bei der Hybrid-Pappel hat sich in unseren naturnahen Auwäldern schon gezeigt, dass sie sich negativ auf die Pflanzen- und Tierwelt auswirkt, denn sie kann aufgrund ihrer raschen Verbreitung und schnellen Wachstumsrate andere Pflanzenarten im Wettbewerb um Licht, Wasser und Nährstoffe unterdrücken, was das Gleichgewicht des Ökosystems stört. Das Umweltbundesamt empfiehlt deshalb einen völligen Verzicht auf Hybrid-Pappeln.

Wer sich trotzdem für diesen Hybrid entscheidet, sollte die Verbreitung und das Wachstum der Hybridpappel überwachen und geeignete Managementstrategien entwickeln, um sicherzustellen, dass die ökologische Vielfalt und das Gleichgewicht des betroffenen Ökosystems erhalten bleiben (Maßnahmen zur Kontrolle der Hybridpappel, Förderung der natürlichen Entwicklung anderer einheimischer Arten).

  • Da bei der Hybrid-Lärche die Auswirkungen auf die Biodiversität nicht klar sind, empfiehlt das BFW diese nur auf schlechten bis mittleren Standorten und ausschließlich außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebietes der einheimischen Lärche. Das sind im Wesentlichen die Wuchsgebiete 8.1, 8.2, 9.1, 9.2, 6.2 sowie die kolline und submontane Stufe der Wuchsgebiete 7.1 und 7.2.. Auf sehr guten Standorten sollte – zumindest bis ergänzende Versuchsergebnisse vorliegen – auf den Anbau der Hybridlärche verzichtet werden.
Abbildung 5. Hybridpappel in den Donauauen (Quelle: Nationalpark Donauauen (donauauen.at))

6.3.2 Biotope schaffen

6.3.2.1 Der Wald muss nicht immer „astrein“ sein

  • Belassen von 5 bis 10 vorherrschenden Bäumen pro Hektar mit großen Kronen
  • Förderung und Nutzung der Naturverjüngung
  • Förderung des Totholzanteils durch Belassen von einigen Bäumen pro Hektar mit schlechter HolzqualitätFördert Totholz Forstschädlinge? Bereits abgestorbenes Holz ist für die gefürchteten Borkenkäferarten ungenießbar. Sie wollen frische, lebende Bäume. Altes, seit Jahren im Wald stehendes oder liegendes Totholz ist daher in Bezug auf diese Forstschädlinge ungefährlich, aber wertvoll für die Nützlinge und die gesamte Nahrungskette. Gefährlich für eine Massenvermehrung ist die kurze Phase des Befalls und des Absterbens der Bäume. Diese befallenen Bäume müssen dann rasch aus dem Bestand entfernt werden.

Aber wie soll man dann zu Totholz kommen, wenn das Sterben nicht gestattet ist?

Da diesbezüglich besonders die Fichte Probleme verursacht, sollte die Anreicherung von Totholz mit anderen Baumarten erfolgen, z.B. mit Weichlaubhölzern (Salweide, Zitterpappel u. a.), die als raschwüchsige Baumarten kein hohes Alter erreichen, aber als Biotopholz und insbesondere als Höhlenbäume gerne genutzt werden.

  • Belassen von Wohnräumen wie Ameisenhaufen oder Höhlenbäumen (siehe Abb. 9 u. Abb. 10)

 

Abbildung 6. Veteranenbaum (Quelle BFW)
Abbildung 7. Totholz und Pilze sind unverzichtbar für einen gesunden Wald (Quelle Marianne Schreck)
Abbildung 8. Liegendes Totholz mit Baumschwamm (Quelle BFW)
Abbildung 9. Habitatbaum für den Specht (Quelle BFW, Georg Frank) 
Abbildung 10. Ameisenbau (Quelle BFW / FAST Ossiach)

6.3.2.2 Trittsteinbiotope

  • Trittsteinbiotope sind – mehr oder weniger regelmäßig – verteilte Flächen, deren Standortbedingungen zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen zeitweisen Lebensraum bieten. (s. Abb. 11 und Video)

Eine Vernetzung von ansonsten isolierten Lebensräumen und die Ausbreitung von Arten mit einer begrenzten Reichweite wird dadurch ermöglicht. Für viele Arten – darunter beispielsweise Säugetiere, Insekten, Moose und Flechten – stellen Trittsteinbiotope Rückzugsorte dar.

Das BFW hat ein Trittsteinbiotop-Programm gestartet, in dem Waldbesitzer:innen geeignete Flächen melden konnten, die in weiterer Folge zusammen mit dem BFW eingerichtet werden. Das Projekt ist eines der größten Projekte mit Bürger:innen-Beteiligung in Österreich.

Unterschiedliche Landschaftsstrukturen wie Hecken, Streuobstwiesen, Solitärbäume, Waldränder, Fließ- und Stillgewässer sind Lebensräume für verschiedene Arten und dienen in der Natur gleichzeitig als Trittsteinbiotope. Als grüne Infrastruktur verbinden sie größere Habitate wie Schutzgebiete miteinander und verbessern so die Ausbreitung von Populationen und deren Genpool. In einer strukturreichen Landschaft kommt es zu einer höheren Nischenvielfalt, welche den Ansprüchen einer Vielzahl verschiedener Lebensgemeinschaften gerecht wird und zum Erhalt der Biodiversität beiträgt.

Die „Schaffung von räumlicher Strukturvielfalt auf Landschaftebene“ kann auf Betriebs- und Regionenebene umgesetzt werden. Um vorhandene Strukturen zu erhalten und neue Strukturen zu schaffen, kommt es vor allem auf die Förderung und Berücksichtigung bei der Bewirtschaftung an. Ökologisch wertvolle und zu bewahrende Landschaftsstrukturen im Wald sind vor allem Waldränder, Bachläufe, Kleinstgewässer, Moore, Habitatbäume, Baumveteranen, Waldweiden, Sonderbiotope oder historische Waldstandorte. Innerhalb geschlossener Waldgebiete kann Strukturvielfalt auf Landschaftsebene durch unterschiedlich alte Bestände sowie mit unterschiedlichen Bestockungen gewährleistet werden.

Weitere Informationen zum Trittsteinbiotop-Programm

Abbildung 11. Trittsteinbiotope (Quelle BFW)


Unter Biodiversität versteht man die genetische Vielfalt, die Vielfalt von Arten und Lebensräumen. Marcela van Loo, Genetikerin am Bundesforschungszentrum für Wald, geht auf diese verschiedenen Dimensionen der Biodiversität ein. 

6.3.2.3 Forststraßen zur Förderung von Lebensräumen (Restoration) gezielt nutzen

Forststraßen sind aus der heutigen Waldbewirtschaftung nicht mehr wegzudenken. Österreich hat ein sehr dichtes Forstwegenetz von 45 Laufmetern pro Hektar (BML). Dass ihre Böschungen und Nebenflächen auch wertvolle Lebensräume, ja sogar richtige Biodiversitäts-Hotspots sein können, wissen die Wenigsten. 

Über die geringere Beschattung, die typisch für Forststraßen und -böschungen ist, freuen sich ganz besonders licht- und wärmeliebende Arten, wie etwa Eidechsen. Hier finden sie genügend Blöcke und Schutt, um sich zu wärmen oder zu verstecken.

Abbildung 12. Forststraße. Quelle: BFW/Anna-Maria Walli

Auch zahlreiche Vertreter der Insektenwelt profitieren von der höheren Sonneneinstrahlung an der Forststraße. Ob es nun die Wärme selbst ist, das Licht, oder auch das reichere Angebot an Blütenpflanzen – sicher ist jedenfalls, dass die Lebensbedingungen an der Forststraße vielen Insekten zusagen.

Abbildung 13. Alpensalamander „Angela“ lässt grüßen (Quelle BFW/ Anna-Maria Walli)

Bei der Gestaltung und Pflege von Forststraßen sollte man zwei Zielrichtungen unterscheiden: 

Wälder, die eine besondere Bedeutung für die biologische Vielfalt haben, wie zum Beispiel bodenstreu- und totholzreiche Bestände, in denen es feucht und kühl ist, können in ihrem Kleinklima durch Forststraßen gestört werden. Hier wäre es aus ökologischer Sicht besonders wünschenswert, Forststraßen, wenn überhaupt, dann nur besonders schonend und mit möglichst geringer Zerschneidungswirkung zu errichten. 

Die Zerschneidungswirkung von Forststraßen kann durch geringe Fahrbahnbreite, geländeangepasste Bauweise, geschlossene Überschirmung sowie durch viel Totholz und Bodenstreu in Straßennäheverringert werden. 

6.3.2.4 Besondere Strukturelemente für Amphibien – Lacken, Gräben und Fahrspuren

In Waldgebieten sind Stillgewässer meist seltene, aber sehr bedeutende Lebensräume. Außerhalb von Aubereichen sind Stillgewässer in Waldgebieten meist künstlich angelegt, sei es als Wildtränke oder als Fischteich. Viele Kleingewässer verdanken ihre Entstehung der Anlage von Forststraßen und Rückewegen. Zeitweise wasserführende Fahrspuren und wegbegleitende Gräben bieten Laichmöglichkeiten für Feuersalamander, Molche oder Frösche. Beim Bau oder der Sanierung von Forststraßen kann man mit relativ geringem Aufwand auch kleine Tümpel und andere Feuchtbiotope anlegen. Diese Kleingewässer sind durch jahreszeitliche Schwankungen des Wasserstandes gekennzeichnet und es ist durchaus kein Nachteil, wenn sie in niederschlagsarmen Zeiten oder während sommerlicher Hitzeperioden austrocknen. Für Amphibien – auch Lurche genannt – sind die stehenden Gewässer von besonderer Bedeutung.

Abbildung 14. Tümpel an Forststraße Tümpel im Begleitgraben von Forststraßen, ob zufällig entstanden oder angelegt, sind vielerorts wertvolle Laichgewässer und Trittsteinlebensräume für Amphibien und andere gewässergebundene Tiere. 
Abbildung 15. Der Grasfrosch kann ein weites Spektrum an Laichgewässern nutzen, so laicht er auch in kleineren Laichgewässern wie z. B. in wasserführenden Gräben entlang von Forststraßen (Quelle: Wikimedia Commons/5snake5)

6.3.2.5 Prozesschutz – Verzicht auf forstliche Nutzung

Besondere, ausgewählte Waldgebiete, die repräsentative und besonders schützenswerte Lebensräume oder Lebensräume für geschützte Arten darstellen, sollten ungestört bleiben. Dies kann sich auf die allgemeine oder saisonale Aufgabe der Bewirtschaftung beziehen.

Sie können auf kleineren, geschützten Parzellen auf Bestandesebene, wie solitären Habitatbäumen, Habitatbaumgruppen und geschützten Sonderbiotopen, ein Netzwerk von Flächen kreieren, in denen sich die Natur ungestört entwickeln kann. 

Weiter informiert bleiben

  • Es gibt immer wieder neue und spannende Projekte im Bereich Biodiversität, für die interessierte Waldbesitzer:innen gesucht werden. Die Teilnehmer:innen erhalten meist eine Förderung, wenn sie sich für einen gewissen Zeitraum dem Projekt verpflichten. Recherchieren Sie regelmäßig im Internet, oder folgen Sie dem BFW auf Facebook.
  • Weitere Infos zu diesem Kapitel gibt es in den Waldsteckbriefen und im Maßnahmenkatalog (gratis zum Download verfügbar)
  • Für Lernfreudige haben wir auch einen eigenen Waldbiodiversitäts-Onlinekurs gestaltet.

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