Trockenstress im Nadelwald

Klimawandel findet statt. Doch wie gut gehen unsere wirtschaftlich bedeutsamen Nadelbaumarten mit Hitze und Trockenheit um? Können andere Samenherkünfte zur Stabilisierung der Bestände beitragen?

Das Ökosystem Wald reagiert auf Hitzerekorde und Trockenperioden der letzten Jahre mit geringeren Zuwächsen, sinkender Vitalität, reduzierter Abwehrfähigkeit der Bäume und einer Massenvermehrung  von  Borkenkäfern. Daher müssen Waldbesitzer mit zusätzlichem Aufwand beim Aufarbeiten von geschädigten Beständen und wirtschaftlichen Einbußen rechnen.

Häufige Trockenperioden gefährden das Wachstum und die Stabilität von Nadelholzbeständen. Die Auswahl geeigneter Herkünfte kann die Reaktion auf Trockenstress aber stark beeinflussen. Zudem sind konsequente waldbauliche Eingriffe gefragt, um stabile Bestände mit großen Kronen und tiefgründigen Wurzeln zu erziehen, welche vor, während und nach einer Trockenperiode ein besseres Wachstum  gewährleisten.

Ein von der Sommertrockenheit 2015 und dem Kieferntriebsterben Diplodia pinea betroffener Schwarzkiefernbestand im südlichen Niederösterreich.

Ostösterreich als Trockenheits-Modellregion

In Österreich sind Trockenperioden vor allem in tieferen Lagen ein Problem. Standorte im Burgenland und Weinviertel eignen sich daher gut, um die erwarteten Auswirkungen des Klimawandels zu untersuchen. Eine Analyse des Klimas und der fortlaufenden Jahreszuwächse zeigt, dass in den vergangenen Jahrzehnten drei Jahre mit schweren Trockenheiten aufgetreten sind: 1993, 2000 und 2003. In diesen Jahren war die Verdunstung höher als der Niederschlag; durch das sinkende Wasserangebot reagierten die Bäume mit deutlichen Zuwachsreduktionen.

Herausforderung für Waldmanagement?

In den Untersuchungen wurden auch Ereignisse, die entweder sehr früh oder gegen Ende der Vegetationsperiode auftraten, mit einbezogen. Ereignisse in diesen Phasen des Wachstums sind aus Sicht der Herkunftsforschung hoch interessant. Hier kann man anhand von Faktoren, die das Wachstum und die Entwicklung der Bäume stark beeinflussen, viel über die Reaktionen der Bäume herauslesen. Solche Faktoren sind zum Beispiel der Zeitpunkt von Blatt- bzw. Nadelaustrieb oder der Beginn der  Spätholzbildung.

Der genaue Zeitpunkt dieser Entwicklungen kann das Wachstum bzw. das Überleben der Bäume unter akutem Wasserstress  im Frühling oder Spätsommer stark beeinflussen.  Denn die Reaktion auf Trockenheit kann einerseits bestimmt werden durch die Ressourcen und deren Verteilung innerhalb des  Baumes und andererseits durch die Vermeidung von Schäden, indem etwa Bäume ihr Wachstum später beginnen oder bereits abgeschlossen haben und dadurch den Trockenstress umgehen.

So weist beispielsweise die Nordmanntanne geringere Zuwachsverluste während Frühjahrstrockenheit auf, da sie im Gegensatz zu anderen Tannenarten später austreibt. Derartige Mechanismen finden sich
auch innerhalb einer Art wieder: Vergleicht man die lokale Weißtannenprovenienz "Schneegattern",  welche  aufgrund ihrer Lage nördlich der Alpen eine kürzere Vegetationsperiode hat, mit der südalpinen Herkunft "Valle-Pesio", so ist die österreichische Herkunft resistenter gegen Trockenstress im Spätsommer.

Dieses Ergebnis lässt sich möglicherweise auf ein (zum Teil) genetisch-fixiertes  früheres Ende der Holzbildung bei der Herkunft "Schneegattern" zurückführen. Dies belegt, wie komplex, aber zugleich nützlich derartige Wechselwirkungen zwischen klimatischer Variabilität und Biologie der Bäume für zukünftiges Waldmanagement sein können.