"Prognosen sind schwierig"

Auszug aus einem Interview mit BFW-Leiter Peter Mayer über kommende Entwicklungen im heimischen Wald.

Vorteile und Nachteile für den Wald

02.07.2018

Erschienen im Magazin für den Holzbereich der Holzforschung Austria.

ln welche Richtung wird sich das Klima in Mitteleuropa zukünftig entwickeln?

Die Temperatur nimmt generell seit mehreren Jahrzehnten zu, im Speziellen im Alpenraum. Entscheidend sind lokal die Parameter Temperatur und Niederschlag. Beim Niederschlag ergibt sich aber kein klar erkennbarer Trend für Veränderungen. Lokale Prognosen sind daher im Vergleich zur Temperatur sehr unsicher. Für die Wälder Mitteleuropas bedeutet dies insgesamt eine höhere Photosyntheserate der Bäume und eine längere Vegetationszeit, beides verbunden mit einem stärkeren Wachstum und einer höheren Produktivität.

Ein Nachteil ist: Die Bäume benötigen mehr Wasser für die Assimilation und dieses Wasser  ist nicht überall ausreichend vorhanden. Zudem steigt mit höheren Temperaturen die Verdunstungsrate, so dass auch bei gleich bleibenden Niederschlägen effektiv weniger Wasser verfügbar sein wird.

Welche Auswirkung wird das auf den Österreichischen Wald haben?

Mit positiven Auswirkungen auf das Wachstum ist in höher gelegenen Bergwäldern zu rechnen. Standorte mit schon knapper Wasserversorgung, wie etwa im sommerwarmen Osten Österreichs, können schnell zu Problemstandorten werden. Bei allen regionalen und lokalen Vorhersagen ist zu berücksichtigen, dass Klimafaktoren immer gemeinsam mit anderen Standortfaktoren wirken. Dazu gehören vor allem Bodeneigenschaften wie  beispielsweise die Wasserspeicherkapazität und das Nährstoffangebot aus dem Boden, aber auch die Exposition und Neigung eines Waldbestandes.

Daher entscheidet am Ende ganz maßgeblich der Standort darüber, ob eine Baumart unter den gegebenen Klimabedingungen anbauwürdig ist oder nicht.

Aktuell gibt es einen großen Schadholzanteil aufgrund von Borkenkäferbefall. Muss sich die Holzindustrie dauerhaft darauf einstellen?

"Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen", hat schon Mark Twain gesagt. Im Rückblick lassen sich die Schadholzmengen aber natürlich immer erklären. Auffällig war, dass Schadursachen, die sonst nur begrenzt von Bedeutung sind, in Kombination mit starker Trockenheit die Bäume stark schwächen und zum Absterben bringen.

Der Winter 2017/18 fiel im gesamten Norden und Osten des Bundesgebietes überdurchschnittlich trocken aus. Die Sturmereignisse im Herbst und Winter haben sehr hohe Mengen an Kalamitätsholz erzeugt. Mit einer Veränderung der Baumartenanteile in Beständen bzw. genetisch besser an den Klimawandel angepassten Baumarten gehe ich mittelfristig nicht davon aus, dass wir auf Dauer dasselbe Ausmaß an Schadholz haben wie derzeit. Aber die Anpassung wird etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Die Sturmereignisse im Herbst und Winter haben sehr hohe Mengen an Kalamitätsholz erzeugt.

Die holzverarbeitende Industrie ist vom Rohstoff Holz abhängig. Wie wird sich der Nadelholzanteil zukünftig entwickeln?

Das hängt in erster Linie von der Entscheidung der Waldbewirtschafterinnen ab. Der Anteil der Fichte wird aber klimabedingt zurückgehen, auch wenn wir genetisch an den Klimawandel mehr angepasste Fichten, Stichwort Trockenresistenz, verwenden können. Wir empfehlen, basierend auf unseren Forschungsergebnissen, eine Risikostreuung, das heißt mehrere Baumarten zu verwenden. Laubholz oder nicht einheimische Nadelholzarten werden dabei eine Rolle spielen.

Eine derzeit unter Druck geratene Holzart ist die Esche. Ist sie in unseren Breiten noch zu retten?

Davon gehe ich aus. Das war auch einer der Gründe, warum wir gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur das Projekt "Esche in Not" gestartet haben. Es fiel auf, dass die Krankheit nicht bei allen betroffenen Eschen gleich verlief, einige waren widerstandsfähiger gegen den Pilz. Und diese Widerstandsfähigkeit wird auf die Nachkommen vererbt.

Die Samen von 714 sehr resistenten Eschen wurden geerntet und daraus Jungpflanzen gezüchtet. Rund 30.000  junge Eschen setzte das Waldgenetik-Team des BFW in unserem Versuchsgarten Tulln. Unser Ziel ist es, mittelfristig Pflanzen anbieten zu können, denen der Pilz weniger oder gar nichts anhaben kann.

Rund 30.000 junge Eschen setzte das Waldgenetik-Team des BFW im Versuchsgarten Tulln.

Kann der Wald durch genetische Variabilität auch für kommende klimatische Änderungen fit gemacht werden?

Davon gehe ich aus. Das war auch einer der Gründe, warum wir gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur das Projekt "Esche in Not" gestartet haben. Es fiel auf, dass die Krankheit nicht bei allen betroffenen Eschen gleich verlief, einige waren widerstandsfähiger gegen den Pilz. Und diese Widerstandsfähigkeit wird auf die Nachkommen vererbt.

Die Samen von 714 sehr resistenten Eschen wurden geerntet und daraus Jungpflanzen gezüchtet. Rund 30.000  junge Eschen setzte das Waldgenetik-Team des BFW in unserem Versuchsgarten Tulln. Unser Ziel ist es, mittelfristig Pflanzen anbieten zu können, denen der Pilz weniger oder gar nichts anhaben kann.