Das Comeback der Tanne

Kann die Tanne im Klimawandel als Ersatz für die Fichte herhalten?

Große Hoffnungen

22.11.2018

Der Klimawandel macht der Fichte in vielen Wäldern Österreichs zu schaffen, Rufe nach anderen Möglichkeiten werden immer lauter. Nun ruhen die Hoffnungen auf einer alten Bekannten - der Weißtanne.

3,5 Millionen Festmeter Schadholz im Jahr 2017, verursacht vor allem durch Borkenkäfer, sprechen eine deutliche Sprache. Fichte und Kiefer leiden am stärksten unter den steigenden Temperaturen und den ausbleibenden Niederschlägen. Die Weißtanne nährt waldbauliche Hoffnungen, denn es sprechen viele Argumente für die heimische Baumart.

Sie ist für fast alle Seehöhen und Böden gut geeignet und sehr schattentolerant. Ihre Pfahlwurzel reicht tief in den Boden, das macht sie widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Windwurf. Schädlinge gefährden die Tanne nicht in so hohem Maß wie es derzeit bei Borkenkäfer und Fichte der Fall ist. Auch der Holzbau und die Sägeindustrie setzen vermehrt auf die hohe Wertleistung und die gute Qualität ihres Holzes.

Weißtannen-Verjüngung in Vorarlberg.

Delikatesse für Reh und Co.

Wegen ihrer Beliebtheit beim Schalenwild sind jedoch viele Waldbewirtschafter skeptisch. In Wäldern mit angepassten Wildständen ist die Tannen-Naturverjüngung jedoch wieder zahlreich zu finden. Waldbauexperte Christoph Jasser von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich ist seit Jahren ein Fürsprecher der Tanne und zeigt bei Fachvorträgen und Exkursionen, dass ein vernünftiger Konsens zwischen Jagd und Waldbau möglich ist und schlussendlich alle Beteiligten davon profitieren können.

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Baumart in den letzten Jahrzehnten ist laut Silvio Schüler, dem Leiter des BFW-Institutes für Waldbau, die Missachtung ihrer spezifischen Wuchseigenschaften. Bei der Verjüngung muss speziell auf ihre langsame Jugendentwicklung Rücksicht genommen werden.

Tannen sind eine Bereicherung im Mischwald.

Andere Möglichkeiten im Klimawandel?

In Zeiten der immer stärker spürbaren Auswirkungen des Klimawandels wird die Widerstandsfähigkeit der Weißtanne besonders hervorgehoben. Neue Untersuchungen des Institutes für Waldgenetik am BFW konnten bestätigen, dass die Weißtanne während einer Trockenheit weniger Verluste im Dickenwachstum hat, als beispielsweise Fichte und Lärche.

Die Tanne nun aber als heilsbringenden Ersatz für sämtliche vom Käfer angenagte Fichten im Land zu bringen wäre falsch. Es gibt noch zu viele Unsicherheiten. Zu Fichte und Douglasie etwa gibt es schon einiges an Forschung, zur Tanne liegt relativ wenig vor. Insbesondere die genetischen Variationen innerhalb der Baumart und deren Unterschiede im Umgang mit Trockenheit liegen aktuell stark im Fokus der Wissenschaftler.