BFW-Praxistag 2018

Der BFW Praxistag greift jedes Jahr andere aktuelle Themen auf. Heuer gaben Expertinnen und Experten Antworten auf Borkenkäfer, Esche und Co.

Borkenkäfer, Esche und Co - Unsere Antworten auf Fragen der Zukunft

30.01.2018

Entwicklungen wie Globalisierung, Bevölkerungswachstum, Klimawandel oder neue Technologien stellen unsere Wälder zunehmend vor Herausforderungen. Welche Aussichten bieten sich vor diesem Hintergrund für die Zukunft des Waldes und des Forstsektors? Im Rahmen des BFW-Praxistages 2018 widmeten sich Fachexpertinnen und -experten drängenden Fragen der Zukunft und diskutierten Antworten für die forstliche Praxis.

Als allgemeine Lösungsansätze empfehlen die BFW-Fachleute unter anderem größere Baumartenvielfalt und die Beachtung des zukünftigen Klimas bei der Baumartenwahl. Naturverjüngung sollte ausgenützt, genetische Vielfalt gefördert und auf eine Anpassung der Wilddichten geachtet werden. Zudem sollten Waldboden und Wasserhaushalt bei der Bewirtschaftung verstärkt berücksichtigt werden. Im Schutzwald sind Schadholz-Monitoring sowie gute Erschließung wesentliche Voraussetzungen zur Eindämmung in Gefahrensituationen (Waldbrände, Kalamitäten).

 

Größere Baumartenvielfalt trägt zur Risikostreuung bei. Fällt eine Baumart aufgrund eines großflächigen Schadereignisses aus, ist somit nicht gleich der komplette Bestand verloren.

Neue Pflanzenschutzverordnung soll helfen

Der Klimawandel stellt den Forstschutz vor große Herausforderungen, etwa durch schnellere Entwicklungszyklen von Schadorganismen, geschwächte Abwehrkräfte von Wirtsbäumen oder durch Arealausbreitungen von Schadorganismen in neue Gebiete. Akute Probleme für den Forstschutz verursacht zudem die Einschleppung invasiver (neuer) Schadorganismen vor allem infolge des globalen Handels. Ab Dezember 2019 tritt in Österreich eine neue EU-Pflanzenschutzverordnung in Kraft. Ziel auf EU-Ebene ist die Verhinderung der Einschleppung anstatt aufwändiger Bekämpfungsmaßnahmen.

Die neue Kontroll-VO ermöglicht es den Mitgliedsländern erstmals, ohne Umwege Notmaßnahmen zu ergreifen, falls ein neuer, gefährlicher Schadorganismus entdeckt wird. Zudem wird es verpflichtende Vorschriften zur Ausrottung von besonders schädlichen, "prioritären Schadorganismen" geben, die im Falle einer Einschleppung, z.B. großflächige Schlägerungen von Wirtsbaumarten in den betroffenen Befallsgebieten beinhalten. Des weiteren umfasst die neue VO auch verstärkte Schulungs- und Informationsmaßnahmen auf allen Ebenen.

Zum aktuellen Beispiel Eschentriebsterben rät der Forstschutz, Wurzelhalsnekrosen bzw. Folgeschädlinge (z.B. Hallimasch) verstärkt zu beachten, da diese die Standfestigkeit befallener Eschen stark verringern können.

Gemeinsam gegen Borkenkäfer

Neben Eschentriebsterben, Kieferntriebsterben, Eichensterben aber auch Windwurf/-bruch ist die Borkenkäfersituation ein forstlicher Dauerbrenner. So wird zum Beispiel in Niederösterreich seit Jahren mir Erfolg ein Borkenkäfermonitoring durchgeführt, um auf künftige Befallssituationen vorbereitet zu sein. Wichtig für eine rasche und erfolgreiche Entschärfung im Falle von Borkenkäferkalamitäten ist zudem die positive Zusammenarbeit aller Akteure, wie WaldbewirtschafterInnen und Forstbehörden.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Borkenkäferbekämpfung liegen darin, befallene Bäume zu entnehmen und Wipfelstücke bzw. Biomasse nicht unbehandelt im Wald liegen zu lassen.

Resistente Eschen dank Genetik

Genetische Ansätze zur Bekämpfung einer Krankheit sind zwar oft, aber nicht immer möglich. Besonders in Fällen, in denen die Erblichkeit gering und damit der Umweltanteil größer ist, sind genetische Lösungen schwierig bzw. wenig erfolgversprechend. Beim Eschentriebsterben stehen die Chancen auf Erfolg jedoch ganz gut, da die Erblichkeit der Resistenz bei der Esche glücklicherweise relativ hoch ist. Im Projekt Esche in Not wurden feldresistente Eschen beerntet und daraus Sämlinge im Feldversuch angebaut. Nach entsprechender Auslese sollen möglichst resistente Pflanzen vermehrt werden.

Vegetatives Pflanzenmaterial wird voraussichtlich 2019 an einige ausgewählte Forstbetriebe abgeben werden können, Eschensamenplantagen wird es frühestens 2020, erste Saatgutproduktion nicht vor 2040 geben.