Entwicklung von Naturgefahren

Wie werden künftige klimatische Bedingungen im Alpenraum verschiedene Arten von Naturgefahren beeinflussen? Wie werden sich die für Naturgefahren relevanten meteorologischen Faktoren entwickeln?

Temperatur, Niederschläge und Stürme

Im Ostalpenraum hat die Temperatur seit Ende des 19. Jahrhunderts um rund 2 ° Celsius zugenommen, mit einer beschleunigten Erwärmung seit 1970. Prognosen deuten auf eine weitere Steigerung der Temperatur hin. Mit jedem Grad mehr an Lufttemperatur kann die Luft zirka sieben Prozent zusätzlich an Feuchtigkeit aufnehmen, was bedeutet, dass auch Gewitter- und Starkregenereignisse häufiger auftreten werden.

Um 1900 war die Sturmhäufigkeit in Mitteleuropa deutlich höher als heute. Stärkere Unterschiede der Temperatur- und Drucklagen über den Alpenhauptkamm kann zu verstärkter Sturmhäufigkeit führen. Bei der Sturmstärke werden jedoch keine größeren Änderungen erwartet. 

Die Entwicklung der Niederschläge lassen sich nicht eindeutig vorhersagen, dennoch geht man für Österreich von einer Zunahme der Niederschlagsintensität aus.

Rutschungen und Hochwasser

In den Alpen wird seit geraumer Zeit eine Zunahme von Hangrutschen beobachtet. Vergleiche von Luftbildaufnahmen aus verschiedenen Jahrzehnten haben gezeigt, dass auf Flächen mit Änderung der Landnutzung (wie etwa verzögerte Wiederbewaldung, unkontrolliertes Zuwachsen von Almflächen) die Zunahme der Rutschungsdichte deutlich höher ist als auf Flächen ohne solche Landnutzungsänderungen. Auch für die Häufigkeit von Murgängen wird in Zukunft ein Anstieg erwartet.

Klimamodelle und Prognosen deuten darauf hin, dass es im Winter mehr und im Sommer weniger Hochwässer geben wird.

Die Chance, dass ein Niederschlag auf aufnahmefähige Böden trifft, wird im Sommer also größer. Allerdings können manche Böden nach zu starker Austrocknung wenig bis gar keinen Niederschlag aufnehmen. Dann rinnt der Regen auf der Oberfläche ab und führt zu Sturzfluten. Bei entsprechend großen Niederschlagsereignissen werden solche Phänomene häufiger auftreten.

Steinschlag und Lawinen

Bei Steinschlag ist eine Zunahme der Ereignishäufigkeit wahrscheinlich. Auch eine Steinschlag-Inventur (150 Ereignisse) in den Westalpen belegt einen Anstieg seit 1990. Kleinere Felsstürze (1000-100.000 m³) werden häufiger, insbesondere nach Perioden mit extrem hohen Temperaturen unmittelbar vor dem Ereignis.

Lawinenexperten haben in den letzten Jahren beobachtet, dass die Anzahl der Nassschneelawinen gestiegen ist.

Auslösefaktoren sind vor allem Maximum-Temperaturen über 5 ° Celsius und Regen. Ein prognostizierter Temperaturanstieg von zirka 2,3 ° Celsius und eine Zunahme des Winterniederschlages um rund 12 Prozent lassen eine Erhöhung der Auslösewahrscheinlichkeit für Nassschneelawinen in einer Höhenlage von 1800 – 2500 m erwarten.