Herausforderungen für den Forstschutz

Die prognostizierten Klimaänderungen wirken sich direkt auf die Wechselbeziehungen zwischen Bäumen und Schadorganismen aus. Darüber hinaus kommt es zu vermehrter Einschleppung invasiver Schadorganismen.

Die prognostizierten und teilweise schon spürbaren Klimaänderungen stellen den Forstschutz vor neue Herausforderungen: Höhere Temperaturen wirken sich direkt auf Insekten und andere Schadorganismen aus, am Rande ihres potenziellen  Verbreitungsgebietes  wird  die Anfälligkeit von Bäumen gegenüber Schädigungen zunehmen, nicht zuletzt ändern sich die Voraussetzungen für die Etablierung nicht-heimischer Schadorganismen. Arten können sich aktiv in neue Gebiete ausbreiten, wenn sie geeignete Klimabedingungen  vorfinden und eingeschleppte Arten, die bislang nicht überlebt hätten, können Fuß fassen.

Borkenkäfer überwintern unter der Borke der Bäume oder im Boden.

Wirkung der Temperatur auf Insekten

Insekten sind wechselwarme Tiere und somit von der Umgebungstemperatur abhängig. Unser wichtigster Borkenkäfer, der Buchdrucker, ist an harte Winter angepasst und überlebt im Käferstadium eine Absenkung seiner Körpertemperatur auf unter -20 ° Celsius.

Höhere Temperaturen in der Vegetationszeit beschleunigen die Entwicklung dieses Borkenkäfers. Dauert es bei 20 ° Celsius Dauertemperatur 48 Tage von der Eiablage bis zum Schlupf der fertig entwickelten Käfer, vermindert sich die Entwicklungsdauer bei 25 ° Celsius auf 33 Tage.Durch die raschere Entwicklung ist es dem Buchdrucker möglich, mehrere Generationen pro Jahr auszubilden. Dies führt zu einem enormen Populationswachstum. Gibt es in solchen Jahren auch ein erhöhtes Angebot an Brutmaterial, etwa nach Windwürfen, kommt es sehr leicht zu Massenvermehrungen.

Eine andere Überwinterungsstrategie verfolgt der Pinienprozessionsspinner, der den Winter hindurch im Larvenstadium verbringt. Die Larven begeben sich in keine Ruhephase. Wann immer es die Temperaturen erlauben, kommt es zur Nahrungsaufnahme und zum Fortschreiten der Entwicklung. Sie frieren im Mittel bei -7 ° Celsius, allerdings ist das Gefrieren nicht tödlich. Die Ausweitung des Areals in den letzten Dekaden konnte durch eine höhere Zahl von warmen Wintertagen erklärt werden.

Wechselwirkung mit den Wirtsbäumen

Geänderte Temperaturen haben zum Beispiel auch Auswirkungen auf die Synchronisierung zwischen dem Austrieb der Bäume und den einzelnen Insektenstadien. So benötigen etwa frisch geschlüpfte Frostspanner-Raupen frisch entfaltendes Laub als Nahrung. Bei Trockenheit verringert sich die Abwehrfähigkeit der Bäume, wovon vor allem sekundäre Rindenbrüter, wie Borkenkäfer oder Prachtkäfer, profitieren.

Einschleppung und Transport

Die Effekte des sich ändernden Klimas werden überlagert von Auswirkungen des golbalen Handels mit Holzprodukten und Pflanzen. Über Holz- und Pflanzenimporte gelangten beispielsweise der
Citrusbockkäfer, der Asiatische Laubholzbockkäfer, die Esskastanien-Gallwespe aber auch Pilz- und Bakterienkrankheiten aus Asien und Amerika nach Europa.

Und der Handel von Pflanzgut innerhalb Europas trug dazu bei, dass sich diese binnen weniger Jahre am ganzen Kontinent etablieren konnten. Auf welche Weise Schadorganismen auch ins Land kommen, durch Trockenstress anfälligere Bäume und durch abiotische Ereignisse gestörte Waldökosysteme können invasiven Organismen gute  Bedingungen für die Etablierung bieten.

Importe von Forstpflanzen, Holzprodukten oder anderen Waren, die auf Holzpaletten geliefert werden, stellen Gefahrenquellen für die Einschleppung nicht-heimischer Schadorganismen dar.

Was tun?

Die Forstleute und alle am Wald Interessierte können durch Beobachten von Veränderungen zum Waldschutz beitragen. Neue Befallsmuster oder neu auftretende Schädlinge sollen dokumentiert und den Forstbehörden bzw. dem Bundesforschungszentrum für Wald gemeldet werden. Es könnte sich um neu eingeschleppte Schadorganismen handeln oder um eine von geänderten klimatischen   Bedingungen bewirkte neuartige Schädigung durch heimische Insekten oder Krankheiten.

Und es darf nicht auf die altbekannten, heimischen Schädlinge vergessen werden. In nadelholzreichen Beständen wird die Bedeutung der Borkenkäfer aufgrund der oben dargestellten Effekte zunehmen. Der Waldschutzes begrüßt alle waldbaulichen Eingriffe, die die Diversität im Wald erhöhen und so schwierigere Bedingungen für spezialisierte Schadorganismen schaffen. Zudem können solche Maßnahmen natürliche Gegenspieler von Schädlingen fördern und dienen nicht zuletzt als Versicherung für die Aufrechterhaltung der wichtigen Waldfunktionen des Gesamtbestandes, sollte eine Baumart ausfallen oder besonders geschädigt werden.