Das ABC der Borkenkäferbekämpfung

Viele verschiedene Faktoren führen zu einer erfolgreichen Borkenkäferbekämpfung an der Fichte

Wie wird man die wieder los?

Borkenkäfer - so klein und doch so gefürchtet. Doch wenn sie zu Abermillionen einen Fichten-Bestand heimsuchen, dann ist Feuer am Dach! Zwei Arten machen den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern das Leben schwer: Buchdrucker und Kupferstecher. Verhindern lässt sich ein Befall in den meisten Fichtenbeständen vermutlich nicht, aber man kann einiges tun, um diesen etwas abzumildern.

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Der Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) ist nur 1,6 bis 2,9 Millimeter klein. Im Bild sieht man ein Weibchen.
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So sieht das Fraßbild eines Kupferstechers aus
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Ein Buchdrucker (Ips typographus) ist 4,2 bis 5,5 Millimeter groß
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Wenn man dieses Bild in der Rinde einer Fichte sieht, hat man es mit einem Buchdrucker zu tun

Befallene Bäume rechtzeitig entfernen

Der häufigste Fehler ist die zu späte Entfernung von borkenkäferbefallenen Bäumen. Man reagiert erst, nachdem am Baum braune Nadeln oder abfallende Rinde zu sehen sind. In dieser Phase hat ein Großteil der Käfer den Baum aber bereits verlassen.

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Borkenkäfer können ganze Bestände in einer Saison dahinraffen.
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Besonders tragisch, wenn durch den massiven Befall der Schutzwald ausfällt.

Bohrmehlsuche = Früherkennung

Zur Hauptflugzeit der Käfer von April bis Juli und eventuell noch Ende August und September wird nach Bohrmehl am Baum Ausschau gehalten. Das braune Bohrmehl sammelt sich häufig in Rindenritzen oder in Spinnweben.

Bei Borkenkäferarten, die ihre ersten Attacken in der Baumkrone durchführen, muss man versuchen, Schwächesymptome und Reaktionen des Baumes, wie Fahlfärbung der Nadeln oder Harzaustritt, zu entdecken. Oft ist auch starke Specht-Aktivität ein guter Hinweis.

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Einbohrlöcher sind ein Indiz für den Käferbefall
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Bohrmehl am Stammfuß sollte jeden Waldbesitzer in Alarmbereitschaft versetzen

Abfuhr oder richtige Lagerung

Das befallene Holz darf auf keinen Fall so lange im Wald verbleiben, bis sich Borkenkäfer fertig entwickelt haben und aus den Brutsystemen ausschlüpfen. Daher wird die Lagerung im Abstand von mindestens 500 Meter zum gefährdeten Wald angeraten. Ist dieser Abstand zum Beispiel auf Grund enger Tallagen nicht möglich, so sind zusätzliche Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

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Nasslagerung
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Folienabdeckung
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Storanet

Fangbaumvorlage = Lenkungsmanöver

Fangbäume sind liegende Bäume an Bestandesrändern und dienen dazu, überwinternde Borkenkäfer gezielt anzulocken. Gesunde Fichten mit einem Mindest-Brusthöhendurchmesser von 20 cm werden dafür zwei bis sechs Wochen vor Käferflug, also Mitte Februar bis Mitte Mai, im Bereich vorjähriger Käferschadensflächen ausgelegt. Ein Sicherheitsabstand von etwa 8-10 m zur nächsten befallsgefährdeten Fichte ist anzustreben.

Die Abfuhr oder die Entrindung der Fangbäume muss vor dem Jungkäferstadium abgewickelt werden. Noch besser: Zwei Wochen nach der Besiedelung, um das Ausfliegen der Mutterkäfer und die Anlage von Geschwisterbruten zu verhindern. Im Gebirge und in schwer bringbaren Lagen werden Fangschläge empfohlen.

Fangschlag nahe einem gefährdetem Bestand

Fangtippi (Fangknüppelhaufen)

Wipfelstücke mit entsprechenden Dimensionen werden in Form eines Zeltes zusammengestellt. Die Stämme werden mit Stammschutzmittel behandelt und mit einem oder mehreren Pheromonen beködert. Wenn der Fangtippi nicht begiftet wird, muss er wie ein Fangbaum behandelt werden.

Um Stehendbefall zu vermeiden, sollte der Abstand zu den nächsten Bäumen zwischen 7 und 10 Meter betragen. Die Aufstellung kann unabhängig von der Hauptwindrichtung erfolgen. Die Käfer orientieren sich offensichtlich an der aufrechten Silhouette. Erste Erfahrungen aus Deutschland und Österreich haben sehr positive Ergebnisse gezeigt. Weitere wissenschaftliche Tests laufen derzeit.

Das Fangtipi soll die Käfer anlocken

Pheromonfallen

Die Abschöpfwirkung von Pheromonfallen wird trotz ungeheuer großer Fangmengen häufig überschätzt. Auch bei hoher Fallendichte (24 Fallen/ha) hat man bei wissenschaftlichen Experimenten nur zirka 30 Prozent der ausfliegenden Käfer gefangen. Bei Vergleichsuntersuchungen zwischen Fangbäumen und Pheromonfallen hat man etwa die gleiche Fangleistung erhoben.

Die Vorteile von Pheromonfallen sind

  • die gleiche Fangkapazität über die gesamte Vegetationszeit,
  • keine Kapazitätsgrenze, wenn Fangbehälter regelmäßig geleert und gesäubert werden und
  • die Verwendbarkeit der Fallen über mehrere Jahre.

Als Nachteile gelten

  • das Fehlen geeigneter Aufstellungsplätze, wenn kein Sicherheitsabstand von zirka eineinhalbfacher Baumlänge zum befallsgefährdeten Bestand vorhanden ist,
  • der Pflegeaufwand für Fallenbehälter und die wöchentliche Auszählung der Käfer,
  • der alle sechs bis acht Wochen notwendige Pheromonwechsel und
  • die reduzierte Fangleistung, sobald konkurrenzierende befallsfähige Bäume in Fallennähe vorhanden sind.

Pheromonfallen eignen sich optimal als Monitoring-Instrument, um den Flugverlauf zu dokumentieren. Sie können auch als Fallengürtel um einen Holzlagerplatz verwendet werden, um die ausschlüpfenden Käfer abzufangen. Für den Bekämpfungseinsatz im Wald bedarf es geschulter Forstexpertinnen und -experten, welche die erforderlichen Sicherheitskriterien strikt einhalten.

Pheromonfallen sieht man sehr häufig in den österreichischen Wäldern

Schlagrücklass

Um einer gefährlichen Vermehrung besonders des Kupferstechers vorzubeugen, sollte der Schlagrücklass möglichst rasch austrocknen können (kurze Abtrennung der Wipfel und Restholzstücke, Hackguterzeugung), ansonsten entfernt oder behandelt werden.

Schlagrücklass tut dem Waldboden als Biomasse gut, sollte aber in Borkenkäfer-Gefahrenzonen zerkleinert werden